Conversation Café

Conversation CafeCafé der Gespräche

Beziehe jeden mit ein, um tiefgreifende Herausforderungen einzuordnen (35-60 Minuten)

Was wird ermöglicht?

Man kann eine beliebige Anzahl von Leuten einbeziehen, um die Bedeutung verwirrender oder schockierender Ereignisse zu verstehen und damit die Grundlage für das Entstehen neue Strategien zu legen. Das Format des Conversation Café hilft dabei, ruhige und tiefgehende Gespräche zu führen, in denen es mehr auf das Zuhören ankommt und weniger auf das Debattieren und Streiten. In einem Kreis sitzend, mit einem einfachen Satz an Regeln und einem Talking Stick, entstehen in kleinen Gruppen Dialoge ohne unproduktive Konflikte. Ein gemeinsames Verständnis der zu bewältigenden Herausforderung entsteht. Und dies hilft der Gruppe dabei, ganz neue Lösungswege zu entdecken.

Die Fünf Bausteine – Kurzanleitung

1. Die Einladung gestalten

  • Bitte alle Teilnehmer, sich in kleinen Gruppen zu versammeln, gegenseitig den Gedanken der anderen zuzuhören und über die gemeinsame Herausforderung zu reflektieren. Dabei sollten die sechs Gesprächsregeln beachtet werden (s.u.).

2. Aufbau und benötigte Materialien

  • Beliebig Anzahl von Gruppen mit 5-7 Stühlen um einen kleinen Tisch herum
  • “Redeobjekt”, z.B. Talking Stick, Stein oder Kunstgegenstand
  • Bei Bedarf 1-2 Seiten Flipchart-Papier und Stifte

3. Wie werden die Teilnehmer eingebunden?

  • Jeder wird mit einbezogen
  • Jeder hat die gleiche Chance, sich einzubringen

4. Wie sind die Gruppen zusammengesetzt?

  • Gemischte Gruppen von 5-7 möglichst unterschiedlichen Teilnehmern

5. Ablauf und Dauer

  • Nenne das Thema der Unterhaltung, normalerweise in Form einer Frage
  • Erkläre, dass es vier Runden an jedem Tisch geben wird. Zunächst zwei mit einem Talking Stick, dann eine dritte in Form einer offenen Unterhaltung und eine vierte Runde, diesmal wieder mit Talking Stick. Teile auch die Dauern der einzelnen Runden mit.
  • Verteile die Talking Sticks
  • Verlies die sechs Regeln des Conversation Café:
    • Versucht so gut ihr könnt, Gesagtes nicht zu bewerten
    • Respektiert einander
    • Versucht zu verstehen statt zu überzeugen
    • Begrüßt und wertschätzt verschiedene Meinungen
    • Redet über Dinge, die euch bewegen und euch etwas bedeuten
    • Legt den Fokus auf Ehrlichkeit und Tiefe statt auf einen langen Redeschwall
  • Suche einen freiwilligen Gastgeber an jedem Tisch. Der Gastgeber ist vollwertiger Teilnehmer, der nur eingreift, wenn jemand gegen eine der sechs Regeln verstößt. In den meisten Fällen muss nur der Redefluss gestoppt werden.
  • Erste Runde mit Talking Stick: Jeder erzählt, was er denkt, fühlt oder tut in Bezug auf ein bestimmtes Thema. (1 Minute pro Person)
  • Zweite Runde mit Talking Stick: Jeder teilt seine Gedanken oder Gefühle mit, nachdem er allen anderen zugehört hat. (1 Minute pro Person)
  • Dritte Runde: Offene Unterhaltung (mit der Option, einen Talking Stick zu benutzen). (20-40 Minuten)
  • Vierte Runde, wieder mit Talking Stick: Jeder erzählt, was er aus den Runden “mitnimmt”. (5-10 Minuten)

Warum? Sinn und Zweck

  • Verstehen der Bedeutung einer komplexen, schwierigen oder schmerzhaften Situation und damit die Möglichkeit, das Geschehene loszulassen.
  • Schaffen neuer Ideen und innovativen Momentums.
  • Geteiltes Verständnis darüber gewinnen, wie Leute verschiedene Perspektiven und Ideen entwickeln.
  • Streitereien vermeiden, die auf Unverständnis basieren.
  • Vertrauen aufbauen und Ängste abbauen, mit der Möglichkeit zur Katharsis.
  • Teilnehmern dabei helfen, anzuerkennen, dass Gespräche aus Reden und Zuhören bestehen.

Tipps und Stolperfallen

  • Verwende immer einen Talking Stick, das macht wirklich einen Unterschied.
  • Lasse den Moderator oder die Teilnehmer vor der ersten Runde die sechs Regeln verlesen.
  • Weise keine Aufgaben zu: Die Erwartungshaltung sollte nicht sein, dass der Dialog direkt zu einer Maßnahme führt.
  • Gestalte das Gespräch wie eine Dinner Party, ermuntere jeden, mitzumachen, aber lasse es spontan und ohne Zeitlimit geschehen.
  • Verwende Wicked Questions, um das Gespräch weiter zu vertiefen.
  • Wenn es ein Problem gibt, frage: “Halten wir uns noch an unsere Regeln?”
  • Ermuntere jeden, seine Meinung zu sagen.
  • Ermuntere stille Leute zum Reden.
  • Verwende Talking Sticks, die eine symbolische Bedeutung für die Teilnehmer haben.
  • Ermuntere die Teilnehmer, Einsichten auf der Tischdecke aus Flipchart-Papier festzuhalten.

Mehr dazu gibt es bei Vicki Robin und Freunden, die das Conversation Café für communities entworfen haben → www.conversationcafe.org

Variationen

  • Alle Teilnehmer eines Tisches bis auf einen können alle 20 Minuten zu einem anderen Tisch wandern (wie in einem World Café)
  • Verweise auf grafisches Protokollieren. Stelle Flipchart-Papier auf jedem Tisch zur Verfügung, um Einsichten der Gruppe festzuhalten. Ermutige zum Zeichnen und spielerischen Erforschen.
  • Um zu konkreten Handlungen zu kommen, bilde einen String mit W3 (What, So What, Now What?), 15% Solutions, Design StoryBoards, User Experience Fishbowl oder Open Space.

Beispiele

  • Um die Bedeutung eines großen Rückschlags oder Schocks im Markt oder in der Umwelt zu verstehen und sich davon zu erholen (z.B. wurde es in Amerika erstmals nach dem 11. September angewendet)
  • Um ein neues Thema zu erforschen oder einen Trend, der noch nicht gut verstanden wurde
  • Um ein Thema zu behandeln, bei dem starke Gefühle zum Ausdruck gebracht werden
  • Um einen großen Change zu reflektieren: Was bedeutet das? Welche Annahmen können wir treffen? Welche Schlussfolgerungen ergeben Sinn? Woran können wir glauben?

Zuschreibung: Diese Liberating Structure wurde von Henri Lipmanowicz und Keith McCandless entwickelt. Inspiriert und adaptiert von Vicki Robin und Susan Partnow, den Mitentwicklern der Conversation Cafés.