Improv Prototyping

Improv PrototypingPrototyping mittels Impro-Theater

Entwickle effektive Lösungen für chronische Probleme und habe dabei ernsthaft Spaß (20 Minuten pro Runde)

Spielerisch zu sein, heißt nicht trivial oder frivol zu sein, oder so zu tun, als ob es keine Konsequenzen hat. Ganz im Gegenteil, wenn wir spielerisch miteinander umgehen, dann begegnen wir uns als freie Menschen und dies macht die Beziehung offen für Überraschungen; alles was passiert, hat Konsequenzen, denn Ernsthaftigkeit ist die Scheu vor den unvorhersehbaren Folgen, wenn alles möglich ist. Ernsthaft sein führt zu einer vorhersehbaren Lösung. Spielerisch sein erlaubt ungezählte Möglichkeiten. – James Carse

Was wird ermöglicht?

Indem drei Wissensebenen gleichzeitig aktiviert werden, kann eine Gruppe dazu angeleitet werden, schnell zu lernen und sich dabei rasch zu verbessern.

Diese drei Ebenen sind:

  1. Explizites Wissen, das durch die Teilnehmer geteilt wird
  2. Stilles Wissen, das dadurch entdeckt wird, dass man einander beim Handeln beobachtet
  3. Latentes Wissen, z.B. neue Ideen, die auftauchen und gemeinsam entwickelt werden

Diese machtvolle Kombination kann die Quelle von transformierenden Erfahrungen werden und macht gleichzeitig ernsthaft Spaß. Die Teilnehmer identifizieren chronische oder entmutigende Probleme und stellen diese spielerisch da. Eine bunte Mischung von Leuten wird eingeladen, um einfache Elemente zu dramatisieren, die dabei helfen, ein Problem zu lösen. Die in den Impro-Sketchen dargestellten Innovationen werden in mehreren Runden Stück für Stück aus Ideen zusammengesetzt, die sowohl für sich alleine als auch gemeinsam benutzt werden können. Dies ist eine spielerische Herangehensweise, um ernsthafte Arbeit erledigt zu bekommen.

Die Fünf Bausteine – Kurzanleitung

1. Die Einladung gestalten

  • Lade die Teilnehmer dazu ein, eine frustrierende und chronische Herausforderung in ihrer Arbeit zu identifizieren. Indem die Ausgangssituation und mögliche Lösungen nachgestellt werden, wird durch Experimentieren, Erfinden und Erforschen spielerisch ein Weg gefunden, die Herausforderung anzugehen.

2. Aufbau und benötigte Materialien

  • Eine offener Bereich oder eine Bühne an der Stirnseite oder in der Mitte eines Raumes.
  • Wenn benötigt, Requisiten für die Szenen, die angeboten werden.
  • Kleine Gruppen von Stühlen, um allen Teilnehmern einen Sitzplatz zu bieten.

3. Wie werden die Teilnehmer eingebunden?

  • Jeder wird beteiligt, entweder als Schauspieler oder als Beobachter.
  • Ein paar Freiwillige als die initialen Schauspieler.
  • Alle anderen sind Beobachter und Bewerter, dann gemeinsam kreative Schauspieler.

4. Wie sind die Gruppen zusammengesetzt?

  • Eine kleine Gruppe Schauspieler auf der Bühne.
  • Alle anderen, die Beobachter, in kleinen Gruppen vor oder um die Bühne herum.

5. Ablauf und Dauer

  • Erkläre, was getan wird und beschreibe die Abfolge der Schritte. (2 Minuten)
  • Bereite die Bühne, indem du das Szenario und die verschiedenen teilnehmenden Rollen beschreibst. (3 Minuten)
  • Die Spieler auf der Bühne stellen die Szene dar. (3-5 Minuten)
  • Jede der kleinen Beobachtergruppen identifiziert innerhalb der eigenen Gruppe mit einem schnellen 1-2(-4)-All die erfolgreichen und die nicht erfolgreichen Teile der Szene, die sie gerade gesehen haben. (5 Minuten)
  • Jede Beobachtergruppe nimmt dann die erfolgreichen Teile und stellt aus ihnen einen neuen Prototypen zusammen. Dieser wird dann innerhalb der Gruppe von Freiwilligen vorgespielt. (5 Minuten)
  • Teilnehmer der Beobachtergruppen, die meinen, sie haben einen verbesserten Prototypen, gehen freiwillig auf die Bühne und spielen ihre Version für die ganze Gruppe vor. (3-5 Minuten)
  • Dies wird so oft wiederholt, bis man zu einem oder mehreren Prototypen kommt, die gut genug sind, um sie in der Praxis einzusetzen.

Warum? Sinn und Zweck

  • Ermöglicht es den Menschen, sich durch Schauspielerei in eine neue Denkweise hineinzubegeben: Improv Prototyping ist eine Probe für’s echte Leben.
  • Breche eine abschreckende Aufgabe in kleinere Teile auf.
  • Belebe und fokussiere die Fantasie jedes Teilnehmers auf das Lösen komplexer Herausforderungen.
  • Durchbreche starre Verhaltensweisen.
  • Erschaffe eine mitreißende und spaßige Alternative für trockene oder unproduktive Trainings.
  • Helfe den Teilnehmern, Verhaltensweisen von Kollegen zu erlernen, die das Problem lösen können.

Tipps und Stolperfallen

  • Versuche möglichst viele verschiedene Personen einzubeziehen, achte insbesondere auf eine Vielfalt an unterschiedlichen Rollen.
  • Hole dir sinnvolle Themen und dramatische Drehbücher für jede Szene aus Discovery & Action Dialogues und Simple Ethnography.
  • Ziehe in Betracht, drei unterstützende Rollen hinzuzufügen, basierend auf der Komplexität des Szenarios: Stage Manager, Creative Director und Facilitator.
  • Lasse Szenen, die nicht die Fantasie anregen oder neue Ideen generieren, erneut aufführen.
  • Ermuntere die Leute, sich in eine andere Rolle hineinzuversetzen und dadurch Vorurteile und Befangenheit abzulegen. Lasse den Sachbearbeiter einen Abteilungsleiter spielen oder einen Studenten einen Professor.
  • Lade den Creative Director dazu ein, die Schauspieler sanft in die Richtung zu lenken, die benötigt wird.

Variationen

  • Mit dem Ziel, bessere (oder schlechtere) Verhaltensweisen zu entdecken, lade die Teilnehmer dazu ein, die Szene in kleinen Gruppen erneut aufzuführen. Starte mit einzelnen kleinen Gruppen, die ihre eigenen Impro-Stücke für sich selber aufführen, und lade dann zu Battles ein, die durch ein “Applaus-o-meter” bewertet werden.
  • Verbinde und kombiniere mit Design StoryBoardsShift & Share, and User Experience Fishbowl, um dadurch die Innovation einem breiteren Publikum vorzustellen. Spezifiziere dabei “Was ist” und “Was könnte sein”.

Beispiele

  • Trainer in Krankenhäusern benutzen Improv Protoyping als Ersatz für konventionelle Kurse.
  • Für Vertriebsmitarbeiter, um neue Wege der Interaktion mit ihren Kunden zu lernen.
  • Für Manager, die ihre Interaktion mit Mitarbeitern, die an sie Bericht erstatten, produktiver zu machen.
  • Für Mitarbeiter im Gesundheitswesen, um mit Patienten und Familienmitgliedern Abschiedsgespräche oder Palliativgespräche zu trainieren.
  • Für Lehrer, um effektive Maßnahmen für störendes Verhalten im Klassenraum zu finden.
  • Als Training für junge Krankenschwestern, um im Krankenhausbetrieb effektiv für die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften (wie z.B. regelmäßiges Händewaschen) eintreten zu können.

Zuschreibung: Diese Liberating Structure wurde von Henri Lipmanowicz und Keith McCandless entwickelt. Inspiriert durch Antonas Mockus (ehemaliger Bürgermeister von Bogota) und Impro-Künstlern.